Weihnachtsgedichte

Die Frohe Botschaft mal anders

Wir alle haben es schon erlebt: Du machst die Weihnachtspost auf, liest den Text und hast sofort wieder vergessen, was genau eigentlich drin stand. Dieses Dilemma könnt Ihr vermeiden, indem Ihr auf eine eher ungewöhnliche Grußform zurückgreift, nämlich das Weihnachtsgedicht.

Nichts langweilt den Empfänger mehr, als eine belanglose Nachricht im Stil von »Frohe Weihnachten und ein frohes Neues Jahr!«.

Mit einem Weihnachtsgedicht stecht Ihr garantiert aus der Menge der Weihnachtspost heraus. Und wenn das Gedicht in Kombination mit der Karte klug gewählt ist kann es einen anhaltenden Eindruck beim Empfänger hinterlassen.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Wie bei Weihnachtspost allgemein üblich solltet Ihr Euch mindestens vier Wochen vor Weihnachten um die Karten kümmern. Bis Ihr eine Wahl getroffen habt, einen Grußtext erstellt und die Weihnachtskarten schließlich abgeschickt habt, können ganz schnell mehrere Wochen vergehen – zumal die Vorweihnachtszeit sowieso meistens stressig ist. Bestellt lieber früher, als zu spät. Wenn die Karten noch ein oder zwei Wochen bei Euch liegen, merkt das keiner. Wenn sie aber zu spät ankommen, also zwischen den Jahren oder erst im neuen Jahr, ist das unangenehm und verfehlt den Sinn der Weihnachtskarte.

Ein paar Tipps zur Auswahl

Wenn Ihr mit einem Weihnachtsgedicht liebäugelt, dann gibt es ein paar hilfreiche Überlegungen.

Zuerst ist es wichtig, sich zu fragen, ob ein Gedicht beim Empfänger, bei den Empfängern gut ankommt. Das Gedicht soll unterhalten oder eine besinnliche Botschaft bringen und nicht an quälend lange Deutschstunden erinnern. Ein Gedicht ist nun mal nichts für jeden. Das kann in diesem Fall ein Vorteil aber auch ein Nachteil sein. Wichtig ist also, dass Ihr sicher seid, dass ein Weihnachtsgedicht bei den Empfängern positiv ankommt. Gedichte sind nicht jedermanns Ding und die Botschaft muss ganz klar verständlich sein. Vor allem bei geschäftlichen Weihnachtsgrüßen ist ein Gedicht mitunter schwierig und sollte sorgfältig ausgesucht werden. Wenn das gelingt, ist es aber gutes Mittel, die Aufmerksamkeit des Gegenüber zu fesseln.

Auch sollte die Karte nicht überladen werden. Deshalb entscheidet Euch lieber entweder für einen reinen Fließtext oder für ein Gedicht mit knappem Gruß. Wer mischen will, sollte ein kurzes, prägnantes Gedicht wählen und dem einige konzentrierte Sätze beifügen, so dass sich Gedicht und Fließtext die Waage halten.

Gedicht ist nicht gleich Gedicht!

Wenn Ihr Euch auf die Suche nach einem passenden Gedicht begebt, werdet Ihr schnell merken, dass eine Unmenge schöner und weniger schöne Beispiele zu finden sind. Von lustig oder klassisch über kryptisch bis hin zu selbst gedichtet, findet Ihr alles. Und wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. In jedem Fall empfehlen wir Euch deshalb, das Gedicht Eurer Wahl noch wenigstens einer anderen Person vorzulesen und eine zweite Meinung einzuholen. So bekommt Ihr ein Feedback zu Verständlichkeit und Angemessenheit des Weihnachtsgedichts.

Wenn Ihr die Message einmal festgelegt habt, müsst Ihr dazu nur noch das passende Design finden. Im Prinzip habt Ihr natürlich die freie Wahl. Allerdings passt ein lustiges Gedicht sicher nicht zu einer edlen Weihnachtskarte und umgekehrt sollte ein Klassiker nicht mit einem witzigen Design kombiniert werden. Was immer möglich und willkommen ist, ist der gegenseitige Bezug zwischen Kartendesign und Gedichtinhalt. Beschäftigt sich das Gedicht beispielsweise mit Schnee und Winterlandschaften, eignet sich eine Karte mit Schneeflockenmotiv allemal.

So kann es aussehen

Hier ein paar Beispiele, wie solche Weihnachtsgedichte aussehen können. Wer es witzig aber nicht zu derb mag, kann sich für dieses hier entscheiden, das sich auch zusätzlich mit einem kurzen Grußtext kombinieren lässt:

Mach es wie der Weihnachtsbär –
der nimmt das Leben nicht so schwer.
Lässt keine Sorgen durch sein Fell,
er liebt die Welt ganz warm und hell.
Und sollte sie mal dunkel sein,
genießt er sie bei Kerzenschein!
Autor unbekannt

Ein Klassiker wie das folgende Gedicht kann auch sehr gut alleine stehen und so seine Wirkung entfalten:

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!
Joseph von Eichendorff

Wenn Ihr sicher sein wollt, dass es sich um eine neutrale Festtagsaussage handelt, die religiöse Aussagen umgeht, dann sind die folgenden Gedichte Paradebeispiele:

Weihnachten – die schönste Zeit,
wo im Schimmer vieler Kerzen
wir vergessen sollen Stress und Streit –
dann zieht Friede ein in unsre Herzen!
Autor unbekannt

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk,
Dass dein Geschenk
Du selber bist.
Joachim Ringelnatz

Und wenn Ihr eine visuell besonders einprägsame Weihnachtsbotschaft schicken wollt, findet Ihr bei uns viele Gedichte in Form eines Weihnachtsbaums. Das bleibt bestimmt in Erinnerung.

01./ »
Wie schön geschmückt der festliche Raum! Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum! O fröhliche Zeit! O seliger Traum! Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis; nun schweiget alles auf ihr Geheiß: sie singet des Christkinds Lob und Preis. Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt, ist schön in Bildern aufgestellt des heiligen Buches Palmenwelt. Die Kinder schauen der Bilder Pracht, und haben wohl des Singen acht, das tönt so süß in der Weihenacht! O glücklicher Kreis im festlichen Raum! O goldne Lichter am Weihnachtsbaum! O fröhliche Zeit! O seliger Traum! «
Autor / Peter Cornelius
02./ »
Hätt' einer auch fast mehr Verstand als wie die drei Weisen aus Morgenland und ließe sich dünken, er wäre wohl nie dem Sternlein nachgereist, wie sie; dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt, fällt auch auf sein verständig Gesicht, er mag es merken oder nicht, ein freundlicher Strahl des Wundersternes von dazumal. «
Autor / Wilhelm Busch
03./ »
Alles still! Es tanzt den Reigen Mondenstrahl in Wald und Flur, Und darüber thront das Schweigen Und der Winterhimmel nur. Alles still! Vergeblich lauschet Man der Krähe heisrem Schrei. Keiner Fichte Wipfel rauschet, Und kein Bächlein summt vorbei. Alles still! Die Dorfeshütten Sind wie Gräber anzusehn, Die, von Schnee bedeckt, inmitten Eines weiten Friedhofs stehn. Alles still! Nichts hör ich klopfen Als mein Herze durch die Nacht - Heiße Tränen niedertropfen Auf die kalte Winterpracht. «
Autor / Theodor Fontane
04./ »
Bäume leuchtend, Bäume blendend, Überall das Süße spendend. In dem Glanze sich bewegend, Alt und junges Herz erregend - Solch ein Fest ist uns bescheret. Mancher Gaben Schmuck verehret; Staunend schaun wir auf und nieder, Hin und Her und immer wieder. Aber, Fürst, wenn dir's begegnet Und ein Abend so dich segnet, Dass als Lichter, dass als Flammen Von dir glänzten all zusammen Alles, was du ausgerichtet, Alle, die sich dir verpflichtet: Mit erhöhten Geistesblicken Fühltest herrliches Entzücken. «
Autor / Johann Wolfgang von Goethe
05./ »
Ein Licht, das leuchten will, muss sich verzehren; Trost, Licht und Wärme spendend, stirbt es still. Ein Licht, das leuchten will, kann nichts begehren, als dort zu stehen, wo's der Meister will. Ein Licht, das leuchten will, dem muss genügen, dass man das Licht nicht achtet, nur den Schein. Ein Licht, das leuchten will, muss sich drein fügen, für andre Kraft und für sich nichts zu sein. Ein Licht, das leuchten will, darf auch nicht fragen, ob's vielen leuchtet oder einem nur. Ein Licht, das leuchten will, muss Strahlen tragen, wo man es braucht, da lässt es seine Spur. Ein Licht, das leuchten will in Meisters Händen, es ist ja nichts, als nur ein Widerschein; des ew'gen Lichtes Glanz darf es uns spenden, ein Licht, das leuchten will für Gott allein. «
Autor / Hedwig von Redern
06./ »
O heiliger Abend, mit Sternen besät, wie lieblich und labend dein Hauch mich umweht! Vom Kindergetümmel, vom Lichtergewimmel auf schau ich zum Himmel im leisen Gebet. Da funkelt's von Sternen am himmlischen Saum, da jauchzt es vom fernen, unendlichen Raum. Es singen mit Schalle die Engelein alle, ich lausche dem Halle, mir klingt's wie ein Traum. O Erde, du kleine, du dämmernder Stern, dir gleichet doch keine der Welten von fern! So schmählich verloren, so selig erkoren, auf dir ist geboren die Klarheit des Herrn! «
Autor / Karl Gerok
07./ »
Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht; Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken, Mich lieblich heimatlich verlocken In märchenstiller Herrlichkeit. Ein frommer Zauber hält mich nieder, Anbetend, staunend muß ich stehn, Es sinkt auf meine Augenlider, Ein goldner Kindertraum hernieder, Ich fühl's, ein Wunder ist geschehn. «
Autor / Theodor Storm
08./ »
Wenn in des Jahres Lauf, dem allzeit gleichen, auf leisen Schwingen sich die Christnacht naht, wenn Erd' und Himmel sich die Hände reichen, dann schau'n wir dich, du größte Liebestat. Du Heiland Jesus, kamst aus lichten Höhen, wie unser Bruder tratst Du bei uns ein, wir haben deine Herrlichkeit gesehen, und deinen Wandel, fleckenlos und rein. Verlorne Kinder knien an deiner Krippe, von jener ersten Weihnacht an bis heut, es klingt von armer Sünder Herz und Lippe ein jubelnd "Halleluja!" weit und breit. Tritt ein, du Spender aller Seligkeiten in unser Herz und Haus, in Volk und Land, hilf, dass wir glaubend Dir den Weg bereiten, und mit Dir wandern liebend Hand in Hand. Gib, dass wir hoffend in die Ferne blicken, auf Dich allein, dem wir zu eigen ganz: kein irdisch Ding soll uns das Ziel verrücken, bis wir Dich schaun in deines Reiches Glanz. «
Autor / Hans Brüggemann
09./ »
Ich sehn' mich so nach einem Land der Ruhe und Geborgenheit Ich glaub', ich hab's einmal gekannt, als ich den Sternenhimmel weit und klar vor meinen Augen sah, unendlich großes Weltenall. Und etwas dann mit mir geschah: Ich ahnte, spürte auf einmal, daß alles: Sterne, Berg und Tal, ob ferne Länder, fremdes Volk, sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl, daß Regen, Schnee und jede Wolk, daß all das in mir drin ich find, verkleinert, einmalig und schön Ich muß gar nicht zu jedem hin, ich spür das Schwingen, spür die Tön' ein's jeden Dinges, nah und fern, wenn ich mich öffne und werd' still in Ehrfurcht vor dem großen Herrn, der all dies schuf und halten will. Ich glaube, daß war der Moment, den sicher jeder von euch kennt, in dem der Mensch zur Lieb' bereit: Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit! «
Autor / Hermann Hesse
10./ »
Ich lag und schlief; da träumte mir ein wunderschöner Traum: Es stand auf unserm Tisch vor mir ein hoher Weihnachtsbaum. Und bunte Lichter ohne Zahl, die brannten ringsumher; die Zweige waren allzumal von goldnen Äpfeln schwer. Und Zuckerpuppen hingen dran; das war mal eine Pracht! Da gab's, was ich nur wünschen kann und was mir Freude macht. Und als ich nach dem Baume sah und ganz verwundert stand, nach einem Apfel griff ich da, und alles, alles schwand. Da wacht' ich auf aus meinem Traum, und dunkel war's um mich. Du lieber, schöner Weihnachtsbaum, sag an, wo find' ich dich? «
Autor / Heinrich Hoffmann von Fallersleben
11./ »
Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh’ ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus in’s freie Feld, Hehres Glänzen, heil’ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, Aus des Schneees Einsamkeit Steigt’s wie wunderbares Singen – O du gnadenreiche Zeit! «
Autor / Joseph von Eichendorff
12./ »
Christkind kam in den Winterwald, der Schnee war weiß, der Schnee war kalt. Doch als das heil'ge Kind erschien, fing's an, im Winterwald zu blühn. Christkindlein trat zum Apfelbaum, erweckt ihn aus dem Wintertraum. "Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart, schenk Äpfel mir von aller Art!" Der Apfelbaum, er rüttelt sich, der Apfelbaum, er schüttelt sich. Da regnet's Äpfel ringsumher; Christkindlein's Taschen wurden schwer. Die süßen Früchte alle nahm's, und so zu den Menschen kam's. Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt, was euch Christkindlein hat beschert «
Autor / Ernst von Wildenbruch
13./ »
Aus fernen Landen kommen wir gezogen; Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren, Doch wandern wir in unsern Silberhaaren. Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen. Nun steht er winkend still am Himmelsbogen: Den Fürsten Juda's muss dies Haus bewahren. Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren? Dir ist der Herr vor allen hochgewogen. Holdselig Kind, lass auf den Knie'n dich grüßen! Womit die Sonne unsre Heimat segnet, Das bringen wir, obschon geringe Gaben. Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen; Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet, Willst du uns nur mit Einem Blicke laben. «
Autor / August Wilhelm Schlegel
14./ »
Weihnachten wird es für die Welt! Mir aber - ist mein Lenz bestellt, Mir ging in solcher Jahresnacht Einst leuchtend auf der Liebe Pracht! Und an der Kindheit Weihnachtsbaum Stand Englein gleich der erste Traum! Und aus dem eiskrystall'nen Schooß Rang sich die erste Blüte los - Seitdem schau' ich nun jedes Jahr Nicht was noch ist - nur was einst war! «
Autor / Adele Schopenhauer
15./ »
Am Kurfürstendamm da hocken zusamm Die Leute von heute mit großem Tamtam. Brillanten mit Tanten, ein Frack mit was drin, Ein Nerzpelz, ein Steinherz, ein Doppelkinn. Perlen perlen, es perlt der Champagner. Kokotten spotten: Wer will, der kann ja Fünf Braune für mich auf das Tischtuch zählen... Na, Schieber, mein Lieber? – Nee, uns kann's nich fehlen. Und wenn Millionen vor Hunger krepieren: Wir wolln uns mal wieder amüsieren. Am Wedding ist's totenstill und dunkel. Keines Baumes Gefunkel, keines Traumes Gefunkel. Keine Kohle, kein Licht... im Zimmereck Liegt der Mann besoffen im Dreck. Kein Geld – keine Welt, kein Held zum lieben... Von sieben Kindern sind zwei geblieben, Ohne Hemd auf der Streu, rachitisch und böse. Sie hungern – und fräßen ihr eignes Gekröse. Zwei magre Nutten im Haustor frieren: Wir wolln uns mal wieder amüsieren. Es schneit, es stürmt. Eine Stimme schreit: Halt. Über die Dächer türmt eine dunkle Gestalt... Die Blicke brennen, mit letzter Kraft Umspannt die Hand einen Fahnenschaft. Die Fahne vom neunten November, bedreckt, Er ist der letzte, der sie noch reckt... Zivilisten... Soldaten... tach tach tach... Salvenfeuer... ein Fall vom Dach... Die deutsche Revolution ist tot... Der weiße Schnee färbt sich blutigrot... Die Gaslaternen flackern und stieren... Wir wolln uns mal wieder amüsieren... «
Autor / Klabund
16./ »
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren die Weihenacht! die Weihenacht! Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren, wir kriegens jetzo freundlich dargebracht. Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen? Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie. Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen, den Aschenbecher aus Emalch glasé. Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen auf einen stillen heiligen Grammophon. Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen den Schlips, die Puppe und das Lexikohn, Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen, voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn, dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen: »Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!« Und frohgelaunt spricht er vom ›Weihnachtswetter‹, mag es nun regnen oder mag es schnein, Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter, die trächtig sind von süßen Plauderein. So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden in dieser Residenz Christkindleins Flug? Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden... »Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.« «
Autor / Kurt Tucholsky
17./ »
Die Weihnachtsmaus ist sonderbar - sogar für die Gelehrten. Denn einmal nur im ganzen Jahr entdeckt man ihre Fährten. Mit Fallen und mit Rattengift kann man die Maus nicht fangen. Sie ist, was diesen Punkt betrifft, noch nie ins Garn gegangen. Das ganze Jahr macht diese Maus den Menschen keine Plage. Doch plötzlich aus dem Loch heraus kriecht sie am Weihnachtstage. Zum Beispiel war vom Festgebäck, das Mutter gut verborgen, mit einem mal das Beste weg am ersten Weihnachtsmorgen. Da sagte jeder rundheraus: Ich hab´ es nicht genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen. Ein andres Mal verschwand sogar das Marzipan von Peter; Was seltsam und erstaunlich war. Denn niemand fand es später. Der Christian rief rundheraus: ich hab es nicht genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen! Ein drittes Mal verschwand vom Baum, an dem die Kugeln hingen, ein Weihnachtsmann aus Eierschaum nebst andren leck`ren Dingen. Die Nelly sagte rundheraus: Ich habe nichts genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen! Und Ernst und Hans und der Papa, die riefen: welche Plage! Die böse Maus ist wieder da und just am Feiertage! Nur Mutter sprach kein Klagewort. Sie sagte unumwunden: Sind erst die Süßigkeiten fort, ist auch die Maus verschwunden! Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg, sobald der Baum geleert war, sobald das letzte Festgebäck gegessen und verzehrt war. Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus, - bei Fränzchen oder Lieschen - da gäb es keine Weihnachtsmaus, dann zweifle ich ein bißchen! Doch sag ich nichts, was jemand kränkt! Das könnte euch so passen! Was man von Weihnachtsmäusen denkt, bleibt jedem überlassen. «
Autor / James Krüss
18./ »
Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen und wecken Freude in allen Herzen. Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen, was sollen wir singen, was sollen wir sagen? Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste! Wir wollen euch danken für alle Gaben und wollen euch immer noch lieber haben «
Autor / Gustav Falke
19./ »
Die hohen Tannen atmen heiser im Winterschnee, und bauschiger schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser. Die weißen Wege werden leiser, die trauten Stuben lauschiger. Da singt die Uhr, die Kinder zittern: Im grünen Ofen kracht ein Scheit und stürzt in lichten Lohgewittern, - und draußen wächst im Flockenflittern der weiße Tag zur Ewigkeit. «
Autor / Rainer Maria Rilke
20./ »
Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume aus dem Wald in die Stadt herein. Träumen sie ihre Waldesträume wieder beim Laternenschein? Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten von der Waldfrau, die Märchen webt, was wir uns erst alles erdichten, sie haben das alles wirklich erlebt. Da steh'n sie nun an den Straßen und schauen wunderlich und fremd darein, als ob sie der Zukunft nicht trauen, es muß doch was im Werke sein! Freilich, wenn sie dann in den Stuben im Schmuck der hellen Kerzen stehn, und den kleinen Mädchen und Buben in die glänzenden Augen sehn. Dann ist ihnen auf einmal, als hätte ihnen das alles schon mal geträumt, als sie noch im Wurzelbette den stillen Waldweg eingesäumt. Dann stehen sie da, so still und selig, als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt, als hätte sich ihnen doch allmählich ihres Lebens Sinn enthüllt; Als wären sie für Konfekt und Lichter vorherbestimmt, und es müßte so sein, und ihre spitzen Nadelgesichter sehen ganz verklärt darein. «
Autor / Gustav Falke
21./ »
Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar. Ist gar nicht sehr gesund. Kennt seinen letzten Tag, das Jahr. Kennt gar die letzte Stund. Ist viel geschehn. Ward viel versäumt. Ruht beides unterm Schnee. Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt. Und Wehmut tut halt weh. Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin. Nichts bleibt. Und nichts vergeht. Ist alles Wahn. Hat alles Sinn. Nützt nichts, dass man's versteht. Und wieder stapft der Nikolaus durch jeden Kindertraum. Und wieder blüht in jedem Haus der goldengrüne Baum. Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt, wie hold Christbäume blühn. Hast nun den Weihnachtsmann gespielt und glaubst nicht mehr an ihn. Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag. Dann dröhnt das Erz und spricht: "Das Jahr kennt seinen letzten Tag, und du kennst deinen nicht." «
Autor / Erich Kästner
22./ »
Gesegnet sei die heilige Nacht, die uns das Licht der Welt gebracht! Wohl unterm lieben Himmelszelt die Hirten lagen auf dem Feld. Ein Engel Gottes, licht und klar, mit seinem Gruß tritt auf sie dar. Vor Angst sie decken ihr Angesicht, da spricht der Engel: "Fürcht't euch nicht!" "Ich verkünd euch große Freud: Der Heiland ist geboren heut." Da gehn die Hirten hin in Eil, zu schaun mit Augen das ewig Heil; zu singen dem süßen Gast Willkomm, zu bringen ihm ein Lämmlein fromm. Bald kommen auch gezogen fern die heilgen drei König' mit ihrem Stern. Sie knieen vor dem Kindlein hold, schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold. Vom Himmel hoch der Engel Heer frohlocket: "Gott in der Höh sei Ehr!" «
Autor / Eduard Mörike
23./ »
Heut abend, als wir zu euch gingen, da war in der Luft ein leises Klingen, da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher, als ob man in einem Tannenwald wär, da huschte vorüber und ging nicht aus ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus. Der Mond kam über die Dächer gesprungen: "Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen? Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?" und lachte uns an mit vollem Schein. Da lachten wir wieder: "Du alter Klöner, heut abend ist alles anders und schöner. Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen, da wirst du ein blaues Wunder sehn." Da sprang er leuchtend uns voran, bei diesem Hause hielt er an. Wir gingen hinein mit froher Begier, und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier. «
Autor / Jakob Loewenberg
24./ »
Immer ein Lichtlein mehr im Kranz, den wir gewunden, dass er leuchte uns so sehr durch die dunklen Stunden. Zwei und drei und dann vier! Rund um den Kranz welch ein Schimmer, und so leuchten auch wir, und so leuchtet das Zimmer. Und so leuchtet die Welt langsam der Weihnacht entgegen. Und der in Händen sie hält, weiß um den Segen! «
Autor / Hermann Claudius
25./ »
Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte euch das Leben. Das genügt, wenn man's bedenkt. Einmal kommt auch Eure Zeit. Morgen ist's noch nicht so weit. Doch ihr dürft nicht traurig werden, Reiche haben Armut gern. Gänsebraten macht Beschwerden, Puppen sind nicht mehr modern. Morgen kommt der Weihnachtsmann. Allerdings nur nebenan. Lauft ein bisschen durch die Straßen! Dort gibt's Weihnachtsfest genug. Christentum, vom Turm geblasen, macht die kleinsten Kinder klug. Kopf gut schütteln vor Gebrauch! Ohne Christbaum geht es auch. Tannengrün mit Osrambirnen - lernt drauf pfeifen! Werdet stolz! Reißt die Bretter von den Stirnen, denn im Ofen fehlt's an Holz! Stille Nacht und heilge Nacht - Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht! Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld! Morgen, Kinder, lernt fürs Leben! Gott ist nicht allein dran schuld. Gottes Güte reicht so weit... Ach, du liebe Weihnachtszeit! «
Autor / Erich Kästner
26./ »
Ein Kind - von einem Schiefertafel-Schwämmchen Umhüpft - rennt froh durch mein Gemüt. Bald ist es Weihnacht! - Wenn der Christbaum blüht, Dann blüht er Flämmchen. Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt Uns mild. - Es werden Lieder, Düfte fächeln. - Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt, Wird dann doch gütig lächeln. Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes Alle unfeindlich sind - einmal im Jahr! - Uns alle Kinder fühlen eines Baumes. Wie es sein soll, wie's allen einmal war. «
Autor / Joachim Ringelnatz
27./ »
Blüh denn, leuchte, goldner Baum, Erdentraum und Himmelstraum; blüh und leuchte in Ewigkeit durch die arme Zeitlichkeit! Sei uns Bild und sei uns Schein, dass wir sollen fröhlich sein, fröhlich durch den süßen Christ, der des Lebens Leuchte ist. Sei uns Bild und sei uns Schein, dass wir sollen tapfer sein auf des Lebens Pilgerbahn, kämpfend gegen Lug und Wahn. Sei uns Bild und sei uns Schein, dass wir sollen heilig sein, rein wie Licht und himmelsklar, wie das Kindlein Jesus war! «
Autor / Ernst Moritz Arndt
28./ »
Vater, Vater, der Weihnachtsmann! Eben hat er ganz laut geblasen, viel lauter als der Postwagenmann. Er ist gleich wieder weitergegangen, und hat zwei furchtbar lange Nasen, die waren ganz mit Eis behangen. Und die eine war wie ein Schornstein, die andre ganz klein wie'n Fliegenbein, darauf ritten lauter, lauter Engelein, die hielten eine großmächtige Leine, und seine Stiefel waren wie Deine. Und an der Leine, da ging ein Herr, ja wirklich, Vater, wie'n alter Bär, und die Engelein machten hottehott; ich glaube, das war der liebe Gott. Denn er brummte furchtbar mit dem Mund, ganz furchtbar schlimm, ja wirklich; und - "Aber Detta, du schwindelst ja, das sind ja wieder lauter Lügen!" Na, was schad't denn das, Papa? Das macht mir doch soviel Vergnügen. "So? - Na ja." «
Autor / Richard Dehmel
29./ »
Hört, schöne Herrn und Frauen, Die ihr im Lichte seid: Wir kommen aus dem Grauen, Dem Lande Not und Leid; Weh tun uns unsre Füße Und unsre Herzen weh, Doch kam uns eine süße Botschaft aus Eis und Schnee. Es ist ein Licht erglommen, Und uns auch gilt sein Schein. Wir habens wohl vernommen: Das Christkind ist gekommen Und soll auch uns gekommen sein. Drum gehn wir zu den Orten, Die hell erleuchtet sind, Und klopfen an die Pforten: Ist hier das Christuskind? Es hat wohl nicht gefunden Den Weg in unsre Nacht, Drum haben wir mit wunden Füßen uns aufgemacht, Dass wir ihm unsre frommen Herzen und Bitten weihn. Wir habens wohl vernommen: Das Christkind ist gekommen Und soll auch uns gekommen sein. So lasst es uns erschauen, Die ihr im Lichte seid! Wir kommen aus dem Grauen, Dem Lande Not und Leid; Wir kommen mit wunden Füßen, Doch sind wir trostgemut: Wenn wir das Christkind grüßen, Wird alles, alles gut. Der Stern, der heut erglommen, Gibt allen seinen Schein: Das Christkind ist gekommen! - Die ihr es aufgenommen, O, lasst auch uns zu Gaste sein! «
Autor / Otto Julius Bierbaum
30./ »
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl der Kinder Jubel und des Markts Gebraus. Und wie der Menschenstrom mich fortgespült, drang mir ein heiser Stimmlein an das Ohr: "Kauft, lieber Herr!" Ein mageres Händchen hielt feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor. Ich schrak empor, und beim Laternenschein sah ich ein bleiches Kinderangesicht; wes Alters und Geschlechts es mochte sein, erkannt' ich im Vorübertreiben nicht. Nur von dem Treppenstein, darauf es saß, noch immer hört ich, mühsam, wie es schien: "Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn' Unterlass; doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn. Und ich? War's Ungeschick, war es die Scham, am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? Eh' meine Hand zu meiner Börse kam, verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind. Doch als ich endlich war mit mir allein erfasste mich die Angst im Herzen so, als säß' mein eigen Kind auf jenem Stein und schrie nach Brot, indessen ich entfloh. «
Autor / Theodor Storm
31./ »
Fängt es im Winter zu schneien an, so schneit es nichts als Marzipan, Rosinen auch und Mandel. Und wer sie gerne knabbern mag, der hat 'nen guten Handel. «
Autor / Joachim Ringelnatz
32./ »
Christkind kam in den Winterwald, der Schnee war weiß, der Schnee war kalt. Doch als das heil'ge Kind erschien, fing's an, im Winterwald zu blühn. Christkindlein trat zum Apfelbaum, erweckt ihn aus dem Wintertraum. "Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart, schenk Äpfel mir von aller Art!" Der Apfelbaum, er rüttelt sich, der Apfelbaum, er schüttelt sich. Da regnet's Äpfel ringsumher; Christkindlein's Taschen wurden schwer. Die süßen Früchte alle nahm's, und so zu den Menschen kam's. Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt, was euch Christkindlein hat beschert! «
Autor / Ernst von Wildenbruch
33./ »
Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt, und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird. Sie lauscht hinaus. Den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin bereit, und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit. «
Autor / Rainer Maria Rilke
34./ »
Gegrüßt, du heiliger Advent, Den jeder Christ willkommen nennt, Der uns gemahnt an jenen großen Tag, An dem sein "Ave" einst der Engel sprach, Und an den größern nach, an dem, Um zu erheben uns vom Falle, Geboren ward im rauen Stalle, Ein Kindlein einst in Bethlehem. Das liebe Kind - es will auf Erden Noch immer gern geboren werden: Im Menschenherzen, fromm und rein, Da kehrt es gern für immer ein. Doch willst du fest es darin halten, Darf deine Liebe nicht erkalten; Ein Krippchen musst du ihm bereiten, Drin gern es weilt für alle Zeiten. Hinein musst du vor allen Dingen Als schlichtes Stroh - die Demut bringen, Als Bettchen - Dank für Gottes Huld, Als Kissen - Sanftmut und Geduld, So wird das Krippchen wohl gelingen. Als Leinen nimmst du Reinigkeit Und Wahrheit und Gerechtigkeit, Als Decke festes Gottvertrauen. Und um das Krippchen recht zu schmücken, Musst du die schönsten Blumen pflücken, Die an dem Fuß des Kreuzes blühn, Gehorsam, Liebe, die verzeiht, Wohltun, Gebet, Enthaltsamkeit, Um alle musst du dich bemühn. Dann aber darfst du darauf bauen, Dass sicher auch das liebe Kind In deinem Krippchen gern verweilet Und mit den Händchen, sanft und lind, Des Herzens tiefste Wunde heilet. Drum wohl dem, welcher frisch beginnt, Wär’s ihm zuerst auch unbequem, Er hat ja alles, wer gewinnt Das süße Kind von Bethlehem! «
Autor / Adolf Kolbing
35./ »
Von drauss' vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen; Und droben aus dem Himmelstor sah mit grossen Augen das Christkind hervor; Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann, da rief's mich mit heller Stimme an: "Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan, Alt' und Junge sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn; Und morgen flieg ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Weihnachten werden!" Ich sprach: "O lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist; Ich soll nur noch in diese Stadt, wo's eitel gute Kinder hat." - "Hast denn das Säcklein auch bei dir?" Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier: Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern." - "Hast denn die Rute auch bei dir?" Ich sprach: "Die Rute, die ist hier; Doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten." Christkindlein sprach:" So ist es recht; So geh mit Gott, mein treuer Knecht!" Von drauss' vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's hier innen find! Sind's gute Kind, sind's böse Kind? «
Autor / Theodor Storm
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O Liebe, die am Kreuze rang, O Liebe, die den Tod bezwang Für alle Menschenkinder, Gedenk’ in dieser sel’gen Nacht, Die dich zu uns herabgebracht, Der Seelen, die dir fehlen. O Liebe, die den Stern gesandt Hinaus ins ferne Morgenland, Die Könige zu rufen; Die laut durch ihres Boten Mund Sich gab den armen Hirten kund, Wie bist du still geworden? Noch eine fromme Hirtin liegt In blindem Schlummer eingewiegt Und träumt von grünen Bäumen. Singt nicht vor ihrem Fensterlein Ein Engel: Esther, laß mich ein, Der Heiland ist geboren? «
Autor / Wilhelm Müller